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2006 (Schloss Buchenau)

Vom 8.-10. Dezember fand auf dem Schloss Buchenau, zwischen Fulda und Bad Hersfeld, die Nachwuchstagung der DGA- Nachwuchsgruppe Asienforschung statt. Im nunmehr dritten Jahr kamen Asien-Nachwuchswissenschaftlern, die kurz vor oder kurz nach dem Ende ihrer akademischen Ausbildung stehen, zusammen. Die Tagung war einmal mehr durch ihre Interdisziplinarität geprägt, so fanden sich VertreterInnen der Fächer Politologie, Ökonomie, aber auch viele Regionalspezialisten wie Sinologen, Indologen etc. Alle Vertreter der unterschiedlichen Fachrichtungen wiesen jedoch einen gemeinsamen Nenner auf: das Interesse und die wissenschaftliche Beschäftigung mit Asien. Ihnen bot die Tagung Gelegenheit zur länder- und fächerübergreifender Kommunikation, es wurde deutlich, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit Asien nicht nur entlang der Grenzen der Disziplinen verläuft, sondern in vielen Bereichen Schnittstellen zwischen den Fächern und ihren Methoden bietet. Wie groß beim Nachwuchs die Bereitschaft ist, über den Tellerrand der eigenen Disziplin zu schauen, wurde im Plenum nach den Vorträgen durch die rege Beteiligung der Teilnehmer deutlich.

Das Programm sah sechs Panels mit insgesamt 19 Vorträgen vor, wobei jedes Panel von einer/einem KommentatorIn und einer/einem ModeratorIn begleitet wurde. Die Referenten befanden sich an ganz unterschiedlichen Stationen ihrer wissenschaftlichen Laufbahn, so gab es sowohl Vorträge zu Magisterarbeiten, als auch zu Dissertationen in unterschiedlichen Stadien. Nach der Anreise der Teilnehmer aus allen Ecken Deutschlands und sogar aus Österreich begann am Freitagnachmittag die Tagung mit der Begrüßung durch Christine Berg, Geschäftsführerin der DGA, und Katja Freistein und Lydia Seibel, Sprecherinnen der Nachwuchsgruppe. Es folgte eine ausführliche Vorstellungsrunde der Teilnehmer.

Das erste Panel der Veranstaltung mit dem Thema „Akteure der Entwicklungspolitik“ eröffnete Yvonne Klöppner mit ihrem Vortrag: „Dams in Southeast Asia: Conflict Potentials, Actors involved, their Network(s), Strategies and Power relations“. Es folgten die Vorträge von Tibor Assheuer und Alexander Trupp aus Wien. Ersterer beschäftigte sich mit der Arbeit von Entwicklungs-NGOs in Überschwemmungsregionen in Bangladesh und dem Umgang mit Klimaveränderungen. Überschwemmungen sind in Bangladesh allgegenwärtig, die NGOs vor Ort reagieren seiner Meinung nach jedoch nicht adäquat darauf, durchgeführte Programme erreichen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung und zeigen kaum Wirkung. Alexander Trupp setzte sich mit dem Ethnotourismus in Nordthailand am Beispiel zweier touristisch unterschiedlich entwickelter „Hilltribe“-Dörfer auseinander und untersuchte die Handlungen, Interessen und Wahrnehmungen der Bereisten. Die Hilltribes in Thailand sind ethnische Minderheiten, die sich in vielerlei Hinsicht (u.a. Herkunft, Sprache, kulturelle Praxis) von der dominierenden Thai-Gesellschaft unterscheiden. Die qualitativ ausgerichtete Studie von Alexander Trupp beschäftigt sich mit den Akha und Karen. Die Moderation dieses Panels übernahm Christine Berg. Corinne Neudorf kommentierte dieses Panel sehr fundiert und sowohl für die Vortragenden als auch die Zuhörer äußerst hilfreich.

Der erste Abend schloss mit einem Workshop zum Thema „Publizieren“. Es wurden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie und wo man als NachwuchswissenschaftlerIn veröffentlichen kann. Die Teilnehmer tauschten ihre Erfahrungen mit unterschiedlichen Zeitschriften und Verlagen aus, auch wurde auf die Veröffentlichung von Dissertationen im Internet eingegangen. Geleitet wurde diese Diskussion von Henriette Sachse.

Der nächste Tag startete mit dem Panel „Trends in der Entwicklung“, welches mit einem klar ökonomisch geprägten Vortrag „Direct investments as an engine of technological change: On the social embeddedness of technology transfer and economic policy in Malaysia“ von Manja Jonas, Universität Duisburg-Essen, begann. Es folgte der Vortrag „Redefining public space in Hanoi“ von Sandra Kürten aus Passau, welcher in der Stadtsoziologie angesiedelt werden kann. Daraufhin sprach Christian Göbel von der Uni Duisburg-Essen über sein Dissertationsthema „Taking the state to the Villages: An institutional analysis of the rural tax and fee reforms in China“. Andreas Lange aus Berlin wendete sich daraufhin dem Thema Regionalentwicklung auf den Philippinen zu, indem er diese am Beispiel der Regionen Central and Eastern Visayas betrachtete. Moderiert wurde dieses Panel von Marco Veselka. Kommentiert wurde von Dr. Hans-Christoph Rieger, der als Entwicklungsökonom der Universität Heidelberg jahrelang in der Region tätig war.

Das dritte Panel zum Thema Transformation und Sicherheit begann mit dem Vortrag von Martin Ritter zum Thema Medien und Demokratisierung in Kambodscha. Katja Freistein beschäftigte sich mit der Association of Southeast Asian Nations und stellte die ASEAN Security Community als Beispiel eines regionalen Sicherheits- und Demokratisierungsdiskurses in Südostasien dar. Johannes Gerschewski wandte sich der Demokratischen Republik Korea zu und betrachtete die Legitimationsgrundlagen und Transformationsaussichten des Landes. Als letzte in diesem Panel trug Christina Alff von der FU Berlin vor. Sie kommt aus der Entwicklungszusammenarbeit und ihr Vortrag „Menschliche Sicherheit und regionale Entwicklung: Angewandte geographische Forschungen in den Provinzen Baghlan, Kunduz und Takhar“ brachte den Zuhörern so auch viele praktische Erfahrungen nahe. Die Moderation hatte in diesem Panel Björn Alpermann übernommen, China-Experte an der Uni Köln, Dr. Anja Jetschke aus Freiburg kommentierte ausführlich und kompetent.

Zum Thema Wissensdiskurse gab es gleich zwei Panels: In dem ersten widmete sich Jennifer Altehenger dem „Ritualtransfer von Eheritus und Eherecht in den Kampagnen der Nationalisten für das Familienrecht und der Kommunisten für das Eherecht während der Jahre 1911 bis 1953 in China“. Danach folgte der Vortrag von Gudrun Kotte zum Thema „Transkulturelle Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett am Beispiel von 20 Chinesinnen in Berlin“. Kommentiert wurde dieses Panel von Dagmar Borchard, die Moderation hatte Irene Eiermann, Doktorandin an der FU Berlin und stellvertretende Sprecherin der Nachwuchsgruppe, inne.

Am Sonntagmorgen ging es weiter mit dem zweiten Panel zum Thema Wissensdiskurs, in dem Maria Framke mit dem Thema „Die indische Wahrnehmung des Faschismus, seine Entstehung, Aufarbeitung und Folgen vor und während des 2.Weltkrieges am Beispiel von Jawaharal Nehru“ begann. Alix Landmann beschäftigte sich mit dem hinduistischen Religionsunterricht in Indonesien und untersuchte dessen Entstehung, Konzeption und Organisation im Kontext der Bildungs- und Religionspolitik. Lydia Seibel beschäftigte sich mit den Wurzeln der thailändischen Parteiendemokratie im Zeitraum von der ersten Verfassungspetition 1885 bis zum Ende der absoluten Monarchie. Kommentiert wurde dieses Panel von Dr. Georg Berkemer, Südasien-Spezialist, und moderiert von Katja Freistein.

Das letzte Panel dieser Tagung widmete sich dem Thema „Identitäten und Identitätspolitik“.
Stephan Engelkamp, Universität Münster, befasst sich in seinem Promotionsvorhaben interdisziplinär mit dem Thema „Souveränität“ und untersucht Rituelle Souveränität in Südostasien. Dabei fragt er nach den kulturellen Dimensionen von Souveränität und den Grenzen des Westfälischen Modells. Im theoretischen Rahmen des Konstruktivismus verortet, wird Souveränität in seinem Beitrag als ein soziales Konstrukt verstanden, das auf Kategorien wie Autorität und Herrschaft, Territorialität und Bevölkerung, Legitimität und Anerkennung beruht. Ingrid Bertleff referierte über das Wasserpuppentheater mua roi in Vietnam und dessen Gegenstand der Kulturpolitik und Kulturgeschichtsschreibung. Ihr Promotionsvorhaben innerhalb der Vergleichenden Musikwissenschaft wird geleitet von der Frage, wie sich Kolonialismus, langjähriger Krieg, sozialistische Kulturpolitik und Tourismus auf das Musikleben ausgewirkt haben bzw. auswirken. Anhand dieser Einflüsse sollen die historischen Veränderungsprozesse des Wasserpuppentheaters beschrieben werden.

Grit Grigoleit von der Universität Passau beschäftigt sich in ihrer Dissertation mit der kulturellen Transformation der Hmong, einer ethnischen Minderheit aus Laos, im mittleren Westen der USA. Der Problembereich der kulturellen Transformation bei der Integration von Immigranten und Flüchtlingen in multi-kulturellen Gesellschaften wie zum Beispiel den USA ist ein kontrovers und oftmals auch politisch aufgeladenes Spannungsfeld. Sie untersuchte die Transformation der Hmong aus kulturwissenschaftlicher Perspektive und geht dabei von einer Diskussion der soziologischen Konzepte Assimilation und Akkulturation aus.
Moderiert wurde dieses letzte Panel der Veranstaltung von Lydia Seibel.

Ein großer Dank gebührt in erster Linie den beiden Organisatorinnen der diesjährigen Tagung, Katja Freistein und Lydia Seibel. Neben den sehr gut ausgewählten fachlichen Beiträgen zeichnete sich die Veranstaltung durch einen reibungslosen Ablauf und eine sehr entspannte und angenehme Tagungsatmosphäre aus. Neben den Vorträgen blieb so genug Zeit, Kontakte und Bekanntschaften zu knüpfen bzw. aufzufrischen und sich zu unterhalten.
Weiterer Dank gilt Christine Berg, Geschäftsführerin der DGA, die immer mit einem guten Rat zur Seite steht, als auch der DGA im Allgemeinen für ihre Unterstützung. Nicht zuletzt ist allen Referenten zu danken, ohne die solch ein Austausch gar nicht möglich wäre.
Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass die Nachwuchsförderung im interdisziplinären Bereich, sei es durch Nachwuchstagungen innerhalb der DGA oder anderweitigen Veranstaltungen, ihren bisher beschrittenen Weg weiter verfolgt.

Es wurde beschlossen, sich wieder auf der Mitgliederversammlung im Mai zu treffen, eine weitere Nachwuchstagung soll zu Beginn des Jahres 2008 stattfinden. Weiterhin besteht eine newsgroup (asienforschung@yahoogroups.de) als Kommunikationsmedium, die auch Nichtmitgliedern frei zugänglich ist. Kontakt mit der Nachwuchsgruppe kann man unter dga_nachwuchs@yahoo.de aufnehmen, weitere Informationen, inklusive Bilder der hier beschriebenen Tagung finden sich unter: http://www.asienkunde.de/nachwuchs/index.html.

Stefan Rother und Anke Wiedemann, Freiburg.

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